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Anämien

MTA überführt Proben mit einer Pipette.
ID:

0127          Akkreditierte Untersuchung

Diagnostik: Sequenzierung und CNV: ABCB7, ABCG5, ABCG8, AK1, ALAS2, ALDOA, ANK1, ATP11C, BPGM, CD59, CDAN1, CDIN1, CYB5R3, DHFR, EGLN1, EPAS1, EPB41, EPB42, EPO, EPOR, G6PD, GATA1, GCLC, GLRX5, GPI, GSR, GSS, HK1, HSPA9, JAK2, KCNN4, KIF23, KLF1, LPIN2, MTHFD1, NDUFB11, NT5C3A, PFKM, PGK1, PIEZO1, PKLR, PUS1, RHAG, SEC23B, SF3B1, SH2B3, SLC11A2, SLC19A2, SLC25A38, SLC2A1, SLC30A10, SLC4A1, SPTA1, SPTB, TCN2, TMPRSS6, TPI1, TRNT1, UMPS, VHL, YARS2
Material:

2 ml EDTA-Blut, Mundschleimhautabstrich

Analysezeit: 6-8 Wochen
OMIM: 300751, 205950, 300908, 206200, 182900
Formulare:

Anforderungsschein Humangenetik

Anämien sind heterogene Erkrankungen, die durch eine verminderte Anzahl oder Funktion der roten Blutkörperchen gekennzeichnet sind. Die genetische Komponente nimmt bei einer Vielzahl von Anämieformen eine zentrale Stellung ein, da Genveränderungen in unterschiedlichen Genen die Struktur, Reifung oder Funktion der Erythrozyten beeinträchtigen können.

Es besteht die Möglichkeit, eine Differenzierung vorzunehmen, die sich auf korpuskuläre, sideroblastische, dyserythropoetische sowie megaloblastäre Anämien bezieht. Darüber hinaus spielen Enzymdefekte eine weitere signifikante Rolle. Korpuskuläre Anämien gehen mit Membrandefekten und veränderter Morphologie einher. Dazu zählt die hereditäre Sphärozytose die durch Defekte in den Membranproteinen ANK1 (OMIM 182900), SPTA1 (OMIM 270970) und SLC4A1 (OMIM 612653) bedingt ist. Diese führen zur Ausbildung kugeliger Erythrozyten (Sphärozyten), die eine verminderte Flexibilität und Hämolyse zeigen. Darüber hinaus sind die hereditäre Elliptozytose (EPB41– und SPTB-Gen (OMIM 611804 und 617948); Bildung elliptischer Erythrozytenformen) und die hereditäre Stomatozytose (PIEZO1 und KCNN4 (OMIM 616689) beeinflussen den Ionenfluss und damit die Zellmembranpermeabilität, Folge sind stomatzytäre (mündchenförmige) Erythrozyten) zu nennen. Eine weitere Form ist die sideroblastische Anämie, welche sich durch eine ineffektive Erythropoese auszeichnet. Pathogene Varianten im ALAS2- oder SLC25A38-Gen (OMIM 300751 und 205950) stören die Häm-Synthese und führen zur Ansammlung von Eisen in den Mitochondrien der Erythroblasten (sogenannte ringförmige Sideroblasten). Die Dyserythropoetische Anämie ist eine seltene Form der Anämie, die durch Defekte in der Erythrozytenreifung bedingt ist. Diese Defekte werden häufig durch Veränderungen in Genen wie CDAN1 (OMIM 224120) oder SEC23B (OMIM 224100) verursacht, welche die Zelldifferenzierung im Knochenmark beeinträchtigen. Des Weiteren werden megaloblastäre Anämien beschrieben, die in der Regel auf einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure zurückzuführen sind. In einigen Fällen können jedoch auch genetische Defekte, beispielsweise im SLC19A2– oder TCN2-Gen (OMIM 249270 und 275350), die Ursache sein. Diese Störungen der Vitaminaufnahme oder -verwertung beeinträchtigen die DNA-Synthese in Erythroblasten und können somit zu einer Anämie führen. Enzymdefekte oder genetisch bedingte Enzymmängel, wie der Pyruvatkinase-Mangel (PKLR-Gen, OMIM 266200) oder der Glukose-6-Phosphatdehydrogenase-Mangel (G6PD-Gen, OMIM 300908), können zu einer verminderten ATP-Bereitstellung oder reduzierter antioxidativer Kapazität der Erythrozyten führen und so eine hämolytische Anämie verursachen.

Die vorliegenden genetischen Anomalien manifestieren sich in unterschiedlichen pathophysiologischen Mechanismen, die sich auf die roten Blutkörperchen auswirken. Die genannten Gene veranschaulichen die molekulare Diversität genetischer Anämien. Zu den weiteren Ursachen von Anämien zählen erworbene Faktoren wie Mangelernährung, chronische Krankheiten oder Blutverluste. Genetisch bedingte Formen manifestieren sich häufig bereits im Kindesalter und bedürfen einer spezifischen genetischen Diagnostik und Beratung.

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