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Rett Syndrom

MTA überführt Proben mit einer Pipette.
ID:

0342         Akkreditierte Untersuchung

Diagnostik: Sequenzierung und CNV: CDKL5, FOXG1, MECP2
Material:

• 2 ml EDTA-Blut
• Mundschleimhautabstrich (minimal 3 Trockenabstrichröhrchen)

Analysezeit: 8 Wochen
OMIM: 300203, 164874, 300005
Formulare:

Anforderungsschein Humangenetik

Das Rett-Syndrom (RTT) stellt mit einer Prävalenz von ca. 1/10.000 weiblichen Geburten eine der häufigsten sporadisch auftretenden Ursachen für schwere geistige Retardierung dar. In mehr als 95% der klassischen RTT-Fälle liegen pathogene Varianten im MECP2-Gen (Xq28) vor, die X-chromosomal dominant vererbt werden, d.h. es sind nahezu ausschließlich Mädchen betroffen.

Nach unauffälliger frühkindlicher Entwicklung tritt bei den Patientinnen meist im Alter von 6-18 Monaten zunächst eine Entwicklungsverzögerung, später eine Regression unter Verlust sprachlicher und motorischer Fähigkeiten ein. Als typisches Merkmal zeigen RTT-Patientinnen waschende Handbewegungen in Brusthöhe. Fast jede dritte Betroffene leidet unter epileptischen Anfällen.

In sehr seltenen Fällen sind auch männliche Patienten betroffen. Jungen mit pathogenen Veränderungen, die man auch bei weiblichen RTT-Patientinnen findet, leiden meist an neonataler Encephalopathie und sterben innerhalb des ersten Lebensjahres. Liegt allerdings eine „missense“-Variante vor, die bei Mädchen mit RTT-Syndrom nicht zu finden ist, zeigen die Patienten eine schwere bis milde unspezifische mentale Retardierung (MR). Eine Duplikation des MECP2-Gens führt bei männlichen Patienten zu schwerwiegenden klinischen Symptomen (infantile Hypotonie, Atemwegsinfekte, schwere MR, Anfälle, Spastik).

Seit 2023 ist in den USA das Medikament „DAYBUE (Trofinetid/NNZ-2566)“ von der FDA zur Behandlung des Rett-Syndroms bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren zugelassen.  In Deutschland  ist DAYBUE im Rahmen eines Härtefallprogramms (Compassionate Use Programm) für alle Menschen mit Rett-Syndrom ab zwei Jahren verfügbar. Das bedeutet, dass Familien unter fachärztlicher Aufsicht bereits vor der offiziellen Zulassung in Europa Zugang zu diesem Medikament erhalten.

Neben pathogenen Varianten und Kopienzahlveränderungen im MECP2-Gen, können auch Veränderungen in den Genen CDKL5 (Xp22) oder FOXG1 (14q11-q13) für eine RTT-ähnliche Symptomatik ursächlich sein. Patienten mit einer pathogenen Veränderung im CDKL5-Gen leiden unter infantiler Epilepsie, zeigen teilweise muskuläre Hypotonie und halten kaum Augenkontakt. Aufgrund der ähnlichen Symptomatik wird dieses Krankheitsbild auch als atypisches Rett-Syndrom bezeichnet. Pathogene Veränderungen im FOXG1-Gen führen sowohl in weiblichen als auch männlichen Patienten zur Ausprägung einer kongenitalen RTT-Variante. Die betroffenen Kinder zeigen häufig schwere Formen von Enzephalopathie, Mikrozephalie sowie eine Teilsymptomatik des klassischen Rett-Syndroms.

 

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