Großwuchs
| ID: | 0310 Stufe 1; 0135 Stufe 2 Akkreditierte Untersuchung |
| Diagnostik: | Stufe 1: methylierungssensitive MLPA (MS-MLPA) – Beckwith-Wiedemann-Syndrom Stufe 2: Sequenzierung und CNV: AKT1, AKT2, AKT3, BRWD3, CCND2, CDKN1C, CHD8, DIS3L2, DNMT3A, EED, EZH2, GPC3, GPC4, H1-4, HERC1, HRAS, MED12, NFIX, NSD1, PIK3CA, PPP2R5D, RNF125, SETD2, TGFBR1, TGFBR2 |
| Material: | 2 ml EDTA-Blut |
| Analysezeit: | Stufe 1: 2 Wochen; Stufe 2: 6-8 Wochen |
| OMIM: | 130650 117550 615879 614753 |
| Formulare: |
Genetisch bedingte Großwuchssyndrome sind Erkrankungen, bei denen ein überdurchschnittliches Körperwachstum z.B. Längen‑ und/oder Organwachstum oft schon im Säuglingsalter deutlich im Vordergrund steht und häufig mit weiteren Fehlbildungen oder Entwicklungsauffälligkeiten einhergeht. Beispiele wichtiger Großwuchssyndrome sind unter anderem:
Beckwith‑Wiedemann‑Syndrom: Ein klassisches Großwuchssyndrom mit vergrößertem Körper‑ und Organwachstum, häufig Makroglossie und erhöhtem Tumorrisiko; verantwortlich sind Störungen einer wachstumsregulierenden Region auf Chromosom 11p15 (u. a. die Gene IGF2, H19 und CDKN1C).
Sotos‑Syndrom ist typischerweise auffällig durch Makrosomie vor und nach der Geburt, großen Kopf, charakteristischen Gesichtszügen wie prominenter Stirn, schütterem frontotemporalen Haar, abfallenden Lidspalten und langem Kinn. Betroffene weisen oft Entwicklungsverzögerungen, Lernschwierigkeiten sowie Verhaltensauffälligkeiten, wie Ängste oder Hyperaktivität sowie motorische Verzögerungen und Hypotnie auf. Hauptursache sind pathogene Varianten im NSD1‑Gen.
Tatton‑Brown‑Rahman‑Syndrom ist durch globalen Großwuchs, Makrocephalie, verzögerte Sprachentwicklung, leichter bis moderater Intelligenzminderung mit Autismus-Spektrum-Störungen und Lernschwierigkeiten sowie durch besondere Gesichtsmorphologie (breite Nase, volle Lippen) gekennzeichnet. Vorgestreiftes Knochenalter und ein erhöhtes Tumor-Risiko (z. B. Hämatopoetische Malignome) zählen zu weiteren Symptom, weswegen das Management der Patienten neben der Wachstumskontrolle auch onkologische Vorsorge umfassen sollte. Ursächlich sind pathogene Varianten im DNMT3A‑Gen.
Malan‑Syndrom ist ein seltenes Überwuchssyndrom (Sotos-ähnlich) mit postnatalem Großwuchs mit schlankem Habitual, Makrozephalie, typischen Gesichtszügen und intellektueller Beeinträchtigung und schweren Sprachentwicklungsstörungen. Weitere Merkmale sind Skoliose, Herzfehler und ein schmales, langes Gesicht. Diagnostisch wegweisend ist der Nachweis von pathogenen Varianten im NFIX-Gen.