Fragiles-X-Syndrom
| ID: | 0357 Akkreditierte Untersuchung |
| Diagnostik: | PCR: FMR1 |
| Material: | 2 ml EDTA-Blut |
| Analysezeit: | 2 Wochen |
| OMIM: | 300624, 300623, 311360 |
| Formulare: |
Das Fragile-X-Syndrom ist die häufigste vererbbare Ursache geistiger Behinderung und eine der häufigsten genetischen Ursachen für AutismusSpektrum-Störungen. Erste Anzeichen treten meist im frühen Kindesalter zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr auf.
Beim Fragilen-X-Syndrom (OMIM 300624) liegt in der Regel eine Expansion des CGG-Triplettrepeats in der 5′-untranslatierten Region (5‘-UTR) des FMR1-Gens auf dem X-Chromosom (Xq27.3) vor. Allele ≤44 werden als Normalallele bezeichnet. Allele mit 45 bis 54 Repeats werden als Grauzonenallele definiert. Hier liegt bereits eine gewisse Instabilität vor. Bei der Vererbung kann sich die Anzahl der Repeats leicht erhöhen, bleibt aber oft stabil. Als Prämutation werden Allele mit 55–200 CGG-Repeats bezeichnet. Sie sind in der weiblichen Keimbahn instabil und werden bei der Vererbung häufig verlängert als Vollmutation an die Nachkommen weitergegeben. Männer mit Prämutation geben diese hingegen stabil an ihre Nachkommen weiter.
Prämutationsallele sind Ursache einer prämaturen Ovarialinsuffizienz (FXPOI, OMIM: 311360) und dem Fragilen-X-assoziierten-Tremor-/Ataxie-Syndrom (FXTAS, OMIM 300623). Letzteres betrifft mehr Männer als Frauen. FXTAS ist eine spätmanifestierende neurodegenerative Störung. Etwa 80 % der Betroffenen zeigen einen Intentionstremor und/oder eine Gangataxie. Weitere Symptome sind u.a. eine Demenz, psychiatrische Störungen sowie Parkinsonismus und Dysautonomie.
Bei einer Vollmutation (>200 CGG-Repeats) zeigen männliche Träger in der Regel das Vollbild des Fragilen-X-Syndroms mit mentaler Retardierung und weiteren Auffälligkeiten wie z.B. große Ohren, ein schmales langes Gesicht, hoher Gaumen, ein Mitralklappenprolaps und Sehstörungen. Weibliche Vollmutationsträgerinnen haben in etwa 60 % der Fälle ebenfalls eine mentale Retardierung, die allerdings meist weniger ausgeprägt ist als beim männlichen Geschlecht. Die Bandbreite des kognitiven Entwicklungsrückstandes reicht von Lernschwierigkeiten bis zu schwergradiger geistiger Behinderung. Jungen sind generell stärker beeinträchtigt als Mädchen.
(AWMF Leitlinien 2020: S1-Leitlinie Molekulargenetische Diagnostik: Fragiles-X-Syndrom und andere FMR1-assoziierte Syndrome)